Mediation


Konfliktsituationen im beruflichen und privaten Miteinander verlangen nach neuen Ideen im Umgang miteinander und mit sich selbst.
Oft können wir, im Konflikt gefangen, diese neuen Wege nicht sehen und verstricken uns immer weiter in der Situation, bis aus dem anfänglichen Unwohlsein eine handfeste Krise geworden ist.
Andererseits treten Krisen auch immer wieder völlig unvorhergesehen in unser Leben, erwischen uns unvorbereitet und drohen, uns den Boden unter den Füßen wegzuziehen.

Ein Konflikt kann wiederum auch ohne jeden äußeren Konfliktpartner in uns selbst entstehen, so z. B. wenn unser „inneres Team“ zerstritten ist und wir zu keiner klaren Entscheidung kommen können oder den Kontakt zu uns selbst verloren haben.

Wie kann ein Mediator helfen?
 In all diesen Situationen brauchen wir die Hilfe eines nicht in den Konflikt einbezogenen Menschen, der jenseits von guten Ratschlägen und gut gemeinten Verhaltenstipps in der Lage ist, uns zu helfen, die Situation aus einem anderen Blickwinkel zu sehen.
Durch das Aufbauen einer Beziehung zu den Konfliktpartnern, welche „...durch Echtheit, Akzeptanz und Empathie gekennzeichnet ist“ (Schulz v. Thun) kann dieser uns helfen, Interesse für die eigenen Gefühle jenseits von Schuldzuweisung und Moral zu entwickeln und uns selbst in unseren ureigenen Gefühlen und Bedürfnissen besser kennen zu lernen. Das macht es möglich, auch den Konfliktpartner wieder in seiner ganzen Person wahrzunehmen. Dadurch erst wird der Blick frei für die möglichen Wege aus dem Konflikt heraus hin zu einem befriedigenden Miteinander.

Was bedeutet es, Echtheit, Akzeptanz und Empathie zu entwickeln?
Diese Frage stellt sich mir immer wieder, wenn ich vor einer Gruppe Menschen stehe, welche sich von mir zu Mediatoren weiterbilden lassen möchten.
Viele Menschen verstehen unter „Echtheit“ das, was „ich eben bin“. Also, wenn ich richtig wütend auf jemand bin, dann muss ich meine Wut auch ausdrücken. Wir vergessen dabei, dass die Wut oft nur ein Ausdruck von einem tiefer liegenden, unterdrückten Gefühl ist, vielleicht einer Traurigkeit. Oft ist die Wut auslösende Situation nur der Auslöser für dieses originale Gefühl, welches zu einer anderen Zeit in einer ganz anderen Situation entstanden ist und damals unterdrückt worden ist. „Echt“ werden könnte daher damit zu tun haben, dass wir uns erlauben, unsere Gefühle wirklich zu fühlen und aufhören, das erlebte Unwohlsein auf die beteiligten Personen oder Situationen zu projizieren.

Dies ist ein lebenslanger, lohnender und bisweilen mühseliger Prozess.
Er mündet in dem vollständigen Ankommen im „Jetzt“, der Akzeptanz der Situation sowie in der Übernahme der Verantwortung für die eigenen Gefühle und den ihnen zugrunde liegenden eigenen Bedürfnissen. Sind wir mit unserem eigenen Prozess dort angekommen, ist es leichter, Mitgefühl (Empathie) für Menschen aufzubringen, deren Handlungen uns missfallen. Erst dann können wir wirklich gute Berater sein, weil unsere eigenen unbewussten Wertmaßstäbe und Moralvorstellungen nicht mehr die Basis bilden für den Umgang mit Konflikten (Akzeptanz).

So bedeutet das o.g. Leitmotiv für meine Arbeit, dass ich versuche, diese Bereiche parallel entwickeln zu helfen.
Das Ergebnis ist wiederum ein Prozess, denn das Unterrichten von Mediation erfordert von mir als Lehrerin immer wieder das Herstellen einer Balance zwischen der reinen Vermittlung von Mediationstechniken und der vielfältigen Unterstützung der Lernenden in ihrem Prozess der Erkenntnis der eigenen Gefühle und Bedürfnisse im Laufe ihres Lebens.
Eine Kursteilnehmerin brachte meine Lehrmethode einmal auf den Punkt mit den Worten: „ Du bist eine Meisterin im Vermitteln der inneren Haltung eines Mediators.“
Und um diese innere Haltung geht es mir. Meine Erfahrung ist, dass mit dieser Art innerer Haltung, die richtigen Worte von ganz allein kommen.
Viele Ansätze aus der Arbeit mit der „Tschechow- Methode“ finden somit in meinen Kursen ihre Anwendung wie auch andere künstlerische Übungen, die geeignet sind, uns selbst besser zu erkennen.
 Mir ist bewusst, dass ich in einem solchen Kurs nur Anstöße geben und Lernschritte begleiten kann,der Prozess jedes einzelnen Teilnehmers läuft weiter und benötigt noch vielerlei andere Anstöße und Lernmomente.

Der Neurobiologe J. Ch. Pearce beschreibt diesen Weg treffend in seinem Buch „Der nächste Schritt der Menschheit“ (Arbor Verlag, Freiamt, 1994). Hier ein Zitat daraus:

"Du musst deinen Intellekt in möglichst großem Ausmaß entwickeln, damit er ein angemessenes Werkzeug für die Intelligenz des Herzens werden kann, jedoch nur die Intelligenz des Herzens kann den Intellekt bis zur höchsten Ebene entwickeln.
Die Intelligenz des Herzens kann nicht für sich entwickelt werden, sie muss ihrerseits etwas haben, auf das sie einwirkt, an dem sie „arbeitet“, etwas, auf das sie antworten kann."